„Psiram ist ein Instrument, um Systemkritiker mundtot zu machen“ Markus Fiedler und 4+2 Fragen

„Wenn alle Menschen sich immer gegenseitig beistünden, dann bedürft niemand des Glücks.“
Meander

Markus Fiedler ist eigentlich Biologielehrer in einem Gymnasium in Deutschland und hat sich vermutlich hin und wieder mit pubertärem Verhalten von Jugendlichen genug zu ärgern. Aber dem Intellektuellen scheint das noch nicht zu reichen, denn legt er sich nun seit einiger Zeit mit einem Trupp angeblicher moderner Menschen an, die in ihrem Verhalten aber durchaus mit pubertierenden Jugendlichen, wenn nicht sogar mit ein paar Rednecks zu vergleichen sind. Nur treiben sich diese Typen nicht in den tiefen Wäldern und Sümpfen im Süden Amerikas herum, sondern im tiefen Morast des Internets und vergiften mit ihrer pseudointellektuellen und scheinmoralischen Attitüde den gesellschaftlichen Diskurs.
Ausgehend von ihrem Mutterschiff, dem anonymen Denunzierungsportal „Psiram“ haben diese Gestalten ein Netzwerk geschaffen welches tief in die deutschsprachige Wikipedia und anderer Medien hineinreicht. Eingeschworen auf den Gott der Wissenschaft führen sie ihren Hatschi gegen alles was ihrer Weltsicht fremd ist und ihre Ideologie der freien, westlichen Welt angreift.
So ist es kein Wunder, dass auch der Historiker und Friedensforscher Dr. Daniele Ganser aus diesen Netzwerken diffamiert wird. So rückt man seine Forschungen zu den umstrittenen Terroranschlägen von 9/11 immer wieder in die Nähe hanebüchener Verschwörungstheorien und stellt Dr. Ganser auf ein Podest mit Holocaustleugner und Antisemiten.
Markus Fiedler selbst wurde über Dr. Daniele Gansers Recherchen zu den „NATO Stay behind Armeen“ auf dessen Wikipedia Artikel aufmerksam und bemerkte damals, als kundiger User, die eigenartigen Edit-Wars rund um Daniele Ganser Wikipedia Artikel. Über diesen Beitrag kam Markus Fiedler dann auch zu einem Vortrag von Dr. Ganser den er an der Universität in Tübingen hielt.
Als Dr. Ganser bei einem seiner Vorträge sich über dieser Art und Weise der Denunzierung beschwerte und dies am Beispiel seines Wikipedia-Artikels bewies, wollte Markus Fiedler ein Korrektiv durchführen und wurde umgehend von der Plattform verbannt. Für Markus Fiedler war dies der Startschuss sein technisches Wissen und seine Erfahrung bei Wikipedia unter Beweis zu stellen. In akribischer Arbeit und Recherche zerlegte und offenbarte er die Netzwerke und Methoden dieser Menschen und präsentierte das Ergebnis in zwei aufeinander folgenden, sehr sehenswerten Dokumentarfilmen.
Am 13. April wird Markus Fiedler mit einem Vortrag in Wien zu Gast sein wo er über seine Filme, seine Arbeit und die Netzwerke hinter den Attacken auf kritische Menschen referieren wird.
Als Vorbereitung darauf stellten wir Markus Fiedler 4+2 Fragen.

Herr Fiedler, sie haben als Biologielehrer und Naturwissenschaftler einen Film über „Die dunkle Seite der Wikipedia“ gedreht und zeigen darin schonungslos auf, wie am Beispiel von Dr. Daniele Ganser seine wissenschaftliche Arbeit als Verschwörungstheorie diffamiert und er mittels Kontaktschuld, falschen Zitaten und böswilliger Interpretation denunziert wird.
Der Film wurde nun mittlerweile von mehr als einer halben Million Menschen gesehen und ihr zweiter Teil „Zensur – die organisierte Manipulation von Wikipedia und anderer Medien“, wo Sie sich mit ideologischen Netzwerken, die einen Meinungskrieg auf Wikipedia und im Internet führen, lief auch sehr gut an.
Hätten Sie bei der Produktion dieser Filme mit so einem Ergebnis gerechnet und wie erklären Sie sich diese Zuschauerzahlen und damit verbundenen positiven Resonanzen?

Wir haben nach dem ersten Film nicht mit dieser starken Resonanz gerechnet. 200.000 Zuschauer vielleicht, aber nicht die 510.000 Views, die es aktuell sind. Damit liegen wir bei ca. der doppelten Zuschauerzahl wie eine Doku bei Arte. Auch der Neue Film ist schon fast bei 200.000 Views und das nach nur 4 Wochen. Die Zuschauerzahlen erklären sich aufgrund zweierlei Effekten. Zum Einen scheint das Thema der Manipulation von Wikipedia virulent bereits bei vielen Beobachtern präsent zu sein. Und zum anderen wurde mir glücklicher Weise empfohlen, die Veröffentlichung des ersten Films KenFM anzubieten. Und KenFM hat viele Zuschauer. Das hat den Ausschlag gegeben. Außerdem riet man mir zu KenFM, weil das Team um Ken Jebsen bemüht sei, dieses Thema so weit wie möglich bekannt zu machen und dabei äußerst professionell arbeite. Außerdem wurde mir von mehreren Seiten gesagt, dass Ken Jebsen sehr zuverlässig und vor allem ehrlich ist. Nachdem ich nunmehr ca. 1 1/2 Jahre Ken Jebsen und das Team kennenlernen durfte kann ich dies nur bestätigen. Alle im Team erscheinen hoch motiviert.
Ken Jebsen hat eine herausragende Gabe, sich viele Daten in kürzester Zeit anzulesen. Im Interview mit ihm kam es mir so vor, als ob er an der Produktion des jeweiligen Films essentiell beteiligt gewesen wäre, so genau war informiert und so präzise waren seine Fragen. Und dabei hat er sich lediglich außerordentlich gut auf die zwei Interviews mit mir vorbereitet. Abgesehen von der großzügigen technischen und personellen Unterstützung bei den Kameraaufnahmen für mein Interview mit Herrn Prof. Dr. Dr. Walach und ein paar sehr nützlichen Tipps hatte er allerdings keinen Einfluss auf den Film.
Die professionellen Interviews von KenFM gepaart mit unseren Bemühungen, möglichst viele Quellenangaben dem Zuschauer an die Hand zu geben, das gab wohl den Ausschlag. Man erkennt sofort, dass wir in beiden Filmen jedes Bild, jeden Filmschnipsel und jede Textstelle mit ausführlichen Quellenangaben versehen haben. (So würde ich mir übrigens Journalismus im Mainstream vorstellen.)
Die Zuschauer erkennen anscheinend die Arbeit, die wir in die Filme gesteckt haben und honorieren das, indem sie die Filme weiterempfehlen.

Zieht man zwischen Psiram und der aus diesem Netzwerk zum Teil unterwanderten und missbrauchten Wikipedia Vergleiche zu den herrschenden Fake-News Debatten, dann fällt auf, dass es um Psiram und Co. in den Leitmedien auffallend still ist.
Warum?

Psiram war noch nie in den Leitmedien stark präsent. Ab und an gab es einen Bericht in einer Zeitung, auch ein BR-Radiofeature zu Psiram, was mehr eine Lobhudelei als eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Internetpranger war.

Anonyme Denunzierungsportale im Netz gibt es massig – von keinem dieser Netzwerke würde aber ein Journalist der weiter ernst genommen werden möchte seine Informationen beziehen. Anders ist das bei Psiram und eben Wikipedia wie Sie in ihrer Dokumentation auch anhand von Fakten beweisen konnten.
Steht hier das subjektive Empfinden über einer faktischen Vernunft?

Psiram ist ein Instrument, um Systemkritiker mundtot zu machen und sie quasi wie Ketzer auf einem virtuellen Scheiterhaufen zu verbrennen. Viele Leser sind nicht daran gewöht, einmal nachzufragen und vor allem selbst nachzuprüfen, woher Journalisten ihre scheinbaren Fakten beziehen. Hier müssen wir, also die Gruppe42, KenFM, Nachdenkseiten, Nuoviso, Kulturstudio, RT-Deutsch und alle anderen alternativen Medien, dringend Aufklärungsarbeit leisten. Wir müssen den Leser und Zuschauer wieder dazu erziehen, die Quellen nachzuprüfen und vor allem eine natürliche Skepsis gegenüber allen Journalisten zu entwickeln.
Der Zuschauer muss seinen Medienkonsum ändern. Lieber sollte er ein Thema ausführlich beackern, als zu hunderten Themen nur Fragmente zu kennen. Genau diese Fragmentierung ist die grundlegende Strategie der Leitmedien. Sie präsentieren einzelne Informationsteile und setzen diese wieder in einem neuen Kontext zusammen. Wir müssen Lesern aufzeigen, dass diese Puzzleteile in dieser Form tatsächlich gar nicht zusammenpassen. Denn bei der Rekontextualisierung entstehen immer wieder im Detail Fehler, die ein aufmerksamer Zuschauer meist schon in den Leitmedien selbst erkennen kann und dann stutzig werden müsste.
Ein Paradebeispiel für die „Lückenpresse“ gab uns jüngst die Sendung Arena im Schweizer Fernsehen, die durch Auslassung versuchte, einen Brief von Daniele Ganser in seiner Gesamtaussage zu verfälschen.
Durch Gansers Reaktion ging dieser Versuch nicht auf. Das Ergebnis sind nun zig Tausende Zuschauer mehr, die jetzt Dr. Daniele Ganser auf Facebook folgen.

„Der Zuschauer muss seinen Medienkonsum ändern. Lieber sollte er ein Thema ausführlich beackern, als zu hunderten Themen nur Fragmente zu kennen. Genau diese Fragmentierung ist die grundlegende Strategie der Leitmedien. Sie präsentieren einzelne Informationsteile und setzen diese wieder in einem neuen Kontext zusammen. Wir müssen Lesern aufzeigen, dass diese Puzzleteile in dieser Form tatsächlich gar nicht zusammenpassen.“

Interessant ist, dass die englischsprachige Wikipedia bei politischen Themen viel freier ist als die deutschsprachige. Generell ist der Diskurs, auch zu 9/11, in den USA bei weitem offener und differenzierter als im westlichen Europa.
Leider liegt das zu einem guten Teil, im deutschsprachigen Raum, an genau den Netzwerken die Sie in Ihren beiden Film offen legen.

Ja zum einen sind es die Netzwerke von Pseudo-Linksradikalen, die wie lieber treffender als Transatlantifa bezeichnen und den sogenannten Skeptikern. Letztere sind religiös fanatische Antigläubige. Sie glauben nicht an den lieben Gott, sondern an die materialistische Welt der Wissenschaft. Beide Lager haben scheinbar eine große Schnittmenge. Das war uns bei Fertigstellung des Films „Zensur“ in dieser Form noch nicht klar.
Zum Anderen sind es die nur im deutschsprachigen Bereich existierenden sogenannten „Sichter“ in der Wikipedia, die eine direkte Editierung und Korrektur der Wikipedia für Außenstehende quasi unmöglich machen. Das gibt es so in der englischen Wikipedia noch nicht. Alles, was im deutschsprachigen Bereich von außen, also nicht von langjährig „gedienten“ Wikipedianern in die Wikipedia eingebracht wird, muss erst von einem Sichter freigeschaltet werden.
Da im politischen Bereich eine kleine Clique, im Wesentlichen bestehend aus vielen Sichtern und einigen Admins, hier die Artikel überwacht, sind schnelle Korrekturen von „Fake News“ in der Wikipedia so gut wie unmöglich.

Wir haben es hier also mit Ideologen aus dem Skeptiker-Netzwerk zu tun, die es dann bei uns in Österreich sogar als Experten ins Fernsehen schaffen um kritische Menschen als klinisch Verrückte vorzuführen. Dann gibt es an Universitäten ein Netzwerk aus antideutschen Ideologen und ihnen nahe stehende Personen die, gerade was die westliche Kriegspolitik der letzten Jahrzehnte betrifft, eine Verdrehung von Fakten zu Meinungen schaffen und eine perverse Täter/Opfer Verdrehung in Bezug auf den nahen und mittleren Osten betreiben und zu guter Letzt sitzen Appendixe aus diesen Gruppierungen dann in staatlich geförderten Vereinen, die grundsätzliche eine ihnen zustehende wichtige Funktion gegenüber der Zivilgesellschaft zu einem Herrschaftsinstrument missbrauchen.
Wie könnte man den Meinungstotalitarismus dieser Gruppierungen auseinander nehmen?

Ich denke, wir müssen zunächst eine breite Öffentlichkeit darüber aufklären, dass es diese Netzwerke gibt und wie und in welchen Medien sie versuchen, ihre Minderheitsmeinung durchzudrücken.

Aus Ihrer Erfahrung, wie sollte man Journalisten begegnen um sie auf diese Vorgänge aufmerksam machen zu können?

Es gibt für mich derzeit zweierlei Journalisten. Solche, die wirkliche Freidenker und unabhängig sind und andere, die im System der Mainstreammedien eingebunden sind.
Eine wie auch immer geartete Bemühung, letztere dazu zu bewegen, besser zu recherchieren und auch mal vom Narrativ der Nato bzw. der USA abzuweichen, halte ich für vertane Liebesmüh.
Diese Journalisten sind Söldner in einem Medien- und Informationskrieg, der mit ähnlichen Mitteln wie im dritten Reich bzw. in der DDR ausgefochten wird. Es wird mit Kontaktschuld und wüsten Unterstellungen gearbeitet, mit Falschbehauptungen, mit Fernsehsendungen, die wie ein Tribunal bzw. eine Inquisition daher kommen. Dies funktioniert deswegen, weil wir in einer Gesellschaft leben, in der die meisten schlafwandeln.
Die Bürger denken, dass die Medien ihnen die Wahrheit darbieten. Sie glauben blind den Scheininformationen, die in einer Nachrichtenflut über sie hereinbrechen. Die Büger sind darauf abgerichtet, Fast-Food-Informationen als ausreichend zu akzeptieren. Kaum jemand liest sich noch in ein Thema ausführlich ein.
Diejenigen, die das machen, merken allerdings sehr schnell, dass da einiges nicht stimmt, was ihnen von den Leitmedien zum Fraß vorgesetzt wird. Es ist bei den Leitmedien wirklich wie bei einem Fast Food Restaurant: Minderwertige Ware in schöner Verpackung.
Wir von den alternativen Medien haben den Nachteil, dass wir eine nicht immer so schöne Verpackung haben und nicht so schnell Artikel und Filme produzieren können, weil uns zum Einen die personellen und finanziellen Mittel fehlen und zum Anderen auch die ausführlichere Recherchearbeit viel Zeit bindet.
Ich glaube aber, dass sich diese Arbeit letztendlich auszahlen wird. Wir machen derzeit den Leimedien kräftig Feuer unter dem Hintern, wie sonst soll man sich die in immer höherer Schlagfrequenz laufenden Sendungen erklären, die verzweifelt versuchen, uns Alternative mit Begrifflichkeiten wie Verschwörungstheoretiker, Antiamerikaner, Antisemit, Rechtsradikaler und Holocaustleugner zu diskreditieren.
Was den Machern der Leitmedien anscheinend nicht klar ist, ist die Tatsache, dass die einigermaßen aufgeweckten Zuschauer diesen Schwindel durchschauen und uns in Schaaren zulaufen. Und diese Zuschauer erzählen das weiter.
Ich frage mich derzeit, was passieren wird, wenn die Gruppe 42, KenFM oder ein anderes alternatives Medium regelmäßig 4 Mio. Zuschauer pro Sendung bekommt. Ich denke, dann wird es richtig gefährlich für den Mainstream.

Sie sind jetzt bald in Wien und werden unsere schöne Stadt und in Folge dann die YouTube Universität mit einem Vortrag von Ihnen bereichern.
Was wird uns ungefähr erwarten?

Eine Zusammenfassung beider Filme („Zensur“ und „Die dunkle Seite der Wikipedia“, weitere desillusionierende Einblicke in die Tiefen der Wikipeida und einen Ausblick auf unsere nächsten Arbeiten bezüglich des Themas „Manipulation der Wikipedia“.

Das Gespräch führte für Gruppe42 Stephan Bartunek.

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