Die Jugend hat das Wort

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Ihr seid die Ält’ren. Wir sind jünger.
Ihr steht am Weg mit gutem Rat.
Mit scharfgespitztem Zeigefinger
weist ihr uns auf den neuen Pfad.

Ihr habt das wundervoll erledigt.
Vor einem Jahr schriet ihr noch »Heil!«
Man staunt, wenn ihr jetzt »Freiheit« predigt
wie kurz vorher das Gegenteil.

Wir sind die Jüng’ren. Ihr seid älter.
Doch das sieht auch das kleinste Kind:
Ihr sprecht von Zukunft, meint Gehälter
und hängt die Bärte nach dem Wind!

Nun kommt ihr gar, euch zu beschweren,
daß ihr bei uns nichts Recht’s erreicht?
O, schweigt mit euren guten Lehren!
Es heißt: Das Alter soll man ehren…
Das ist mitunter, das ist mitunter,
das ist mitunter gar nicht leicht.

Wir wuchsen auf in eurem Zwinger
Wir wurden groß mit eurem Kult.
Ihr seid die Ält’ren. Wir sind jünger.
Wer älter ist, hat länger schuld.

Wir hatten falsche Ideale?
Das mag schon stimmen, bitte sehr.
Doch was ist nun? Mit einem Male
besitzen wir selbst die nicht mehr!

Um unser Herz wird’s kalt und kälter.
Wir sind so müd und ohn Entschluß.
Wir sind die Jüng’ren. Ihr seid älter.
Ob man euch wirklich -lieben muß?

Ihr wollt erklären und bekehren.
Wir aber denken ungefähr:
»Wenn wir doch nie geboren wären!«
Es heißt: Das Alter soll man ehren. . .
Das ist mitunter, das ist mitunter,
das ist mitunter furchtbar schwer.

– Erich Kästner

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