Flucht nach vorne. Von Heimatvertriebenen und Steirerinnen.

Kluge Köpfe, aber auch blinde Ideologen wetteifern darüber wer das Übel, welches uns Menschen bedroht, korrekt benennen kann. Der Sozialismus, der Kapitalismus, die Religionen, das Internet, die Kommunisten, die Homosexuellen, die Rechten, die Linken, Heavy Metall Musik, Xavier Naidoo, … je nach ideologischer Prägung scheint jeder Mensch für sich den Schuldigen gefunden zu haben. In dem Wahn nach der eigenen Bestätigung wird aber wie gewöhnlich auf die Ursache vergessen.
Diesen Irrsinn erleben wir gerade auch in der Debatte rund um die Krise der Menschen, die aus verschiedenen Gründen gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Die vorherrschenden Meinungen, die über die Medien als öffentlichte Meinung vorgegaukelt werden, aber nichts anderes als die veröffentlichte Meinung sind, teilen sich in zwei Lager – nämlich „Refugees welcome“ und „Festung Europa“. Auch so wird der Blick auf das Große und Ganze nicht mehr möglich gemacht. Nämlich an die Ursachen ran zu gehen.
Im Versuch aber, das gewaltige Problem unserer Zeit welches sich im Scheitern der Menschheit und somit unserer Gesellschaft zeigt, auf möglichst radikale Art zusammen zu fassen, kommt man auf die prägenden lateinischen Worte, „Divide et impera“, was soviel heißt wie „teile und herrsche“.
Die Heimatvertriebenen, die gerade in Europa ihr Glück suchen, sind auch nichts anderes als Opfer dieser Herrschaftstaktik. Über das Verlangen nach Herrschaft über Ressourcen, geopolitischer Macht, Profitmaximierung, etc. wurden sie aus ihrer Heimat geteilt. Sie wurden gezwungen unter unwürdigen Zuständen ein Leben am Nullpunkt zu führen, ohne Zukunft und voller Angst und haben sich so zur Flucht entschieden, von leeren Versprechungen unserer Regierenden verführt um dann ironischerweise von diesen im Stich gelassen zu werden. Eingepfercht in Lagern, ausharrend müssen vor Grenzzäunen und in eine Parallelgesellschaft gedrängt und auch an dem Leid wird wieder abartig viel Geld verdient.
Unsere ganze westliche Gesellschaft baut mittlerweile auf diese strukturierte Gewaltordnung und es gibt kaum ein Land auf unserem Planeten, wo diese Strategie nicht schon Einzug genommen hat und die Unterschiede liegen nur noch darin wie extrem es den Menschen als einzelnes Individuum oder als Volk, Land und Kontinent trifft.
Die Lösung aus dieser gewaltigen Krise, die niemanden mehr verborgen bleibt, kann nur darin liegen, dass wir Menschen anfangen neu zu denken. Das Prinzip von „teile und herrsche“ ist nur so lange funktionierend, solange wir Menschen uns dem Wettbewerb unterordnen und so andere Menschen als Konkurrenten wahr nehmen.
Die Heimatvertriebenen dürfen nicht als Konkurrenz des eigenen Wohlstandes betrachtet werden, sondern sollten als gespiegeltes Abbild von uns selbst erkannt werden. Egal ob es der viel zitierte Wirtschaftsflüchtling ist oder der gefürchtete Terrorist. Sie sind alle nur eine Folge unseres Lebenswandels und unseres gewaltigen Irrtums der in der Idee der Herrschaft und der damit folgenden Knechtschaft liegt.
Der Wirtschaftsflüchtling aus Afrika ist in seinem Prinzip kein Unterschied zu der Frau aus der Steiermark, die um halb fünf Uhr früh sich in den Bus setzen muss um Konzern im Handel arbeiten zu gehen. Beide werden aufgrund äußerer Mächte von ihrer Heimat getrennt um dann wiederum den Rest ihrer Familie mit Geld versorgen zu können. Der Vergleich hinkt natürlich etwas, da die Frau aus der Steiermark zumindest, wenn auch müde und ausgelaugt, am Abend wieder nach Hause zurück kehren kann.
Der Terrorist aus Syrien ist in seinen Prinzip kein Unterschied zu einem Soldaten aus Deutschland der meint am Hindukush die Sicherheit seines Landes verteidigen zu müssen. Beide werden aufgrund äußerer Mächte von ihrer Heimat und ihrer Familie getrennt und sind gezwungen andere Menschen zu töten und selbst getötet zu werden, im Irrglauben entweder der Nation oder der Religion zu dienen. Wir alle sind, jeder für sich, die Seite ein und derselben Medaille – „Divide et impera“ heißt nichts anderes als die Sicht darauf zu verstellen und zu trüben.
Solange wir Menschen nicht in der Lage sind, gemeinsam die Profiteure dieser Dynamik ausmachen zu können, werden diese auch weiter alles daran setzen, dass ihr Profit sich maximiert.
Die Flüchtlinge sollten als Katalysator einer längst überfälligen Befreiung betrachtet werden, zugunsten allen Lebens auf unserem wunderbaren Planeten, aus der Umklammerung des Mammon.

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