„Hoffnung gibt es immer“ – 4+2 Fragen mit Monika Donner

„Hat man den Wind gegen sich, so ist das nur ein Grund, um so stärker auszuschreiten.“
Julius Langbehn

Monika Donner hieß nicht immer so. Eigentlich wurde sie als Toni geboren und wuchs in einer Familie auf, wo die Männer durchgehend bei der Staatsgewalt tätig waren – Bundesheer und Polizei.
Sie selbst, damals noch als Toni, schlug eine militaristische Laufbahn ein, die sie nach der Matura als aktiver Offizier beim österreichischen Bundesheere machte.
Von ihren Mitstreitern damals bekam sie als Toni den Spitznamen Centurio verpasst. Sie war ein Mensch mit großer Energie und Kraft und das führte dazu, ein Juristik-Studium in Linz abzuschließen.

Monika Donner noch als Toni. Kollegen und Freunde nannten ihn "Centurio".

Monika Donner noch als Toni. Kollegen und Freunde nannten ihn „Centurio“.

Zu dieser Zeit aber, lebte sie auch an den Wochenenden schon ihre zweite Identität, damals noch unter dem Fantasienamen „Monique Dumont“, aus. Die gleiche Vehemenz und Akribie die sie in ihre Arbeit und ihre Ausbildung legte wandte sie auch an, wenn es daran ging sich in eine Frau zu verwandeln.
Als sie dann im Jahr ihre Ausbildung zur diplomierten Lebens- und Sozialberaterin begann fasste sie den Entschluss ihre beiden Alter Egos „Centurio“ und „Monique Dumont“ zu verschmelzen und entschied sich fortan als Monika Donner zu existieren.
Der österreichische Staat wollte das aber aufgrund seiner damals herrschenden Gesetzeslage nicht anerkennen – Frau ist nur wer keinen Penis hat und somit gab es für Monika Donner nur die Wahl zur Geschlechtsumwandlung sofern sie auch rechtlich als Frau anerkannt werden wollte.
Ihre Entscheidung das Leben nach weiblichen Prinzipien auszurichten hieß aber für sie nicht, ihren Willen gegenüber dem Vater Staat zu beugen. Ihre Individualität ging vor über die verordnete Gleichmacherei und so entschied sie sich für einen Rechtsstreit der bis vor das oberste Gericht ging und Monika Donner somit die erste rechtlich anerkannte Frau wurde ohne sich einer Operation unterziehen zu müssen.
Dieses Gerichtsurteil war übrigens für den gesamten deutschsprachigen Raum wegweisen und mittlerweile hat der Operationszwang auch in Deutschland seit 2011 und in der Schweiz seine Gültigkeit verloren.

Seit dieser Zeit arbeitet sie als Juristin im österreichischen Verteidigungsministerium und arbeitet als Schriftstellerin und könnte ein bescheidenes und ruhiges Leben führen.
Das wollte sie aber nicht. Denn im Mai 2015 erschien ihr Buch „God Bless you Putin – strategische Analyse inklusive rechtlicher Beurteilung der sicherheitspolitischen Lage in Europa am Beispiel Österreich“ und erregte einiges an Aufsehen.
Am 18. Mai 2015 war sie dann zu Gast bei Roland Düringer ein seiner Sendung „Gültige Stimme“ wo sie unter anderem ihr aktuelles Buch vorstellt. Und ab dem Moment begannen in dunklen Ecken des österreichischen Staatsapparates die Rädchen zu laufen und gegen Monika Donner wurde ein Intrige, durchaus mit Unterhaltungswert, fabriziert.
Sie ließ sich davon aber nicht beeindrucken und legte am 6. Juli 2015 nach indem sie bei der Wiener Friedensmahnwache eine Rede hielt um ihre Sicht der Dinge preiszugeben und die Menschen auf einen friedlichen Widerstand gegen einen gewaltigen militärisch-industriellen Komplex einzuschwören.
Monika Donner ist nicht irgendjemand, sie ist immer noch Militarist und hat neben ihre warmherzigen, weiblichen Seite den kühlen und strategischen Offizier in sich.
Für Gruppe42 steht es außer Frage, dass wir nicht auch Menschen mit dieser Sichtweise zu Wort kommen lassen, insbesondere dann, wenn es jemand wie Monika Donner ist die sich immer für Schwächere und für Minderheiten eingesetzt hat und auf ihre verlässliche Art einen klaren Kurs fährt der hart ist aber menschlich bleibt.
Gruppe42 freut sich, dass Monika Donner im Rahmen der Vortragsreihe: „Neoliberale Propaganda – wie uns die Medien zur Solidarität mit den Herrschenden zwingen“ am 25. November in Wien sein wird und uns mit ihrem Beitrag „Strategische Analyse zur sicherheitspolitischen Lage Europas am Beispiel Österreich “ unterstützen wird.
Im Rahmen der Porträtreihe die wir zu diesen Vorträgen veröffentlichen stellen wir Monika Donner 4+2 Fragen:

Monika, Du warst Offizier beim österreichischen Bundesheer mit dem archaischen Spitznamen „Centurio“ was ja auf ein gewisses Potenzial deuten lässt, jetzt arbeitest Du als Juristin im Verteidigungsministerium.
Dein Weg ist ausgesprochen interessant. Meine erste Frage jetzt mal, wie kommt man als Mensch dazu, sich militärisch ausbilden lassen zu wollen und was war für Dich ausschlaggebend diesen Weg dann zu verlassen und vom Mann zur Frau zu werden?

Soldat wurde ich, weil ich es quasi im Blut habe. Auch meine Vorfahren waren beim Militär oder bei der Polizei. Ins Verteidigungsministerium, die strategische Leitung des Bundesheers, bin ich gewechselt, nachdem ich das nebenberuflich absolvierte Jura-Studium abgeschlossen hatte.

Da blieb kein Stein am anderen, alles fügte sich neu zusammen.

Meine persönliche Transformation zur Frau sah ich schon im Kindergarten auf mich zukommen. Viele Jahre führte ich ein spannendens und gleichsam anstrengendes Doppelleben als „Centurio“ und als Wochenend-Diva „Monique Dumont“. Erst während der, ebenfalls nebenberuflich absolvierten, Lebens- und Sozialberatungsausbildung verschmolzen beide Extremformen zu einem Ganzen. Da blieb kein Stein am anderen, alles fügte sich neu zusammen.

"Centurio" als "Monique Dumont" - die Femme Fatale am Wochenende die auch ohne Waffen ziemlich scharf ist.

„Centurio“ als „Monique Dumont“ – die Femme Fatale am Wochenende die auch ohne Waffen ziemlich scharf ist.


Du warst eine Choriphäe was Deine „Geschlechtsumwandlung“ betrifft. Der erste Mann, der eine Geburtsurkunde bekommen hat ohne sich einer langwierigen und komplizierten Operation unterziehen zu lassen. Deine Weg ging bis vor das oberste Gericht und Du warst der Präsedenzfall im deutschsprachigen Raum. Warst Du Dir klar darüber, dass Du mit Deinem Weg anderen Menschen auch ein Wegweiser sein wirst?

Ja, das war mir bewusst, nur habe ich mich damals schon nicht mehr als Mann empfunden. Ein Mann würde sich wohl kaum einen weiblichen Personenstand wünschen. Die Aufhebung des Operationszwangs war dringend nötig. Viele Menschen litten unter dem Druck, sich für eine lächerliche Urkunde unters Messer legen zu müssen. Der OP-Zwang war ein Überbleibsel der Nazi-Ideologie „Unfruchtbarmachen unwerten Lebens“. Außerdem kann keine Operation der Welt aus einem Männerkörper einen Frauenkörper machen oder umgekehrt. Anpassung ist möglich, Wechsel hingegen nicht. Kurz nachdem der Verfassungsgerichtshof den OP-Zwang aufgehoben hatte, hat sich das deutsche Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe auf meinen Fall bezogen und deutsche Transsexuelle von der Bürde befreit, sich auf den OP-Tisch legen zu müssen.

Wegweiser warst Du auch mit Deinem Buch „God Bless you Putin – eine geopolitische Analyse am Beispiel Österreich“. Du warst damit der erste Mensch der direkt aus dem Verteidigungsministerium sich gegen die Nato angelegt hat. Wir haben mit Dir ein Video produziert, wo Du ganz offen sagst, Du befindest Dich im Widerstand gegen diesen militärisch-industriellen Komplex. Wie ist es für Dich im Widerstand?

Dass ich im Widerstand bin, wurde mir erst bewusst, als gewisse Leute versuchten, mir aufgrund ihres akuten Argumentationsnotstands eins mit der sogenannten Nazikeule zu verpassen. Es zeigte mir, wie gefährlich eine sachliche Analyse für manche Menschen sein kann. Vermutlich würden sie meine Bücher, insbesondere „God bless you, Putin!“, verbrennen, wenn sie die Macht dazu hätten. Haben sie aber nicht. Ätsch! Irgendwie muss ich meinen „Halbfreunden“ sogar dankbar sein, denn erst der Medienrummel wegen der besagten Nazikeule, die mich im ersten Moment ziemlich schockte und eine geraume Weile intensiv seelisch verletzte, machte die Analyse zum Verkaufsschlager. Jede Medaille hat eben zwei Seiten.

Du eckst mit Deiner Person, aber auch mit Deinen Aussagen immer wieder an – egal ob im privaten Umfeld oder in der Arbeit. Einerseits hast Du eine sehr herzliche und offene Art, dann überrascht Du wieder mit einer kühlen und strategischen Herangehensweise. Menschen sind immer wieder provoziert durch Dich Grenzen neu zu definieren und zu ziehen. Du sprichst Dich aber in der aktuellen Flüchtlingsdebatte für sicher Grenzen aus – das passt oberflächlich betrachtet schwer mit Deinem persönlichen Lebensweg zusammen.
Wie definierst Du diese Forderung von Dir, die einigen Menschen vor den Kopf stößt?

Meiner Erfahrung nach ecke ich mit relativ wenigen Menschen an. Am ehesten fühlen sich jene provoziert, die mit sich selbst nicht so richtig klarkommen. Das ist aber deren Problem.

Weder völlig offene Grenzen noch Stacheldrahteinzäunungen sind die Lösung. Die Lösung liegt in der Mitte

Meine persönliche Kombination aus seidener Sanftheit und stählerner Schärfe ist übrigens genau das, was die Lösung des Flüchtlingsproblems herbeiführen kann: Offene Arme für Kriegsflüchtlinge einerseits sowie strikte Grenzsicherung, beinharte Kontrollen und sofortige Abweisung von integrationsunwilligen Kriminellen und potenziellen Terroristen andererseits. Unsere Altvorderen haben diesen Staat mit viel Herzblut und Schweiß aufgebaut. Unsere Sicherheit und unser nach wie vor sehr gutes Sozialsystem sollten wir nicht durch den brutalen Wechsel von einem Extrem zum anderen gefährden. Weder völlig offene Grenzen noch Stacheldrahteinzäunungen sind die Lösung. Die Lösung liegt in der Mitte: Mehr Hilfe für die Hilfsbedürftigsten, Tritt in den Allerwertesten für Integrationsunwillige, Kriminelle und Terroristen. Oder möchtest Du demnächst nach deren Pfeife tanzen?

Am Mittwoch wirst Du Deinen Vortrag unter dem Titel „Strategische Analyse zur sicherheitspolitischen Lage Europas am Beispiel Österreich“ bei uns halten.
Was erwartet uns?

Es erwartet euch die Beschreibung der sieben Kernaussagen meiner strategischen Analyse mit speziellem Augenmerk auf die teilweise extrem verzerrte Darstellung der sicherheitspolitischen Lage in den Leitmedien. Dabei werde ich den Zusammenhang zwischen der Ermordung John F. Kennedys, 9/11, der neoimperialistischen Außenpolitik der USA und der aktuellenUkraine-Krise erläutern.
Zusätzlich möchte ich, nach der Pause und für Interessierte noch die Gelegenheit nutzen um ein Lösungskonzept zur aktuellen Flüchtlingskrise vorzustellen.

Über Freiheit und Frieden wurde schon genug gesprochen. Es wird Zeit, danach zu leben.

Es bestätigt sich ja der Eindruck, dass sich so etwas wie die Vernunft durchsetzt und es wird immer offensichtlicher, dass es innerhalb der USA, Europa und ihrem militärischen Arm der NATO und ihren Verbündeten Israel und Saudi Arabien neokonservative Kräfte gibt die es mit dem Rest der Welt nicht besonders gut meinen. Überall über die Welt bilden sich Friedensbewegungen und obwohl unsere Massenmedien unablässig Angst schüren, wollen die Menschen nicht so sehr darauf einsteigen. Selbst nach den Anschlägen in Paris gibt es massive Kritik an der Fragmentierung der Ursachen die zu dem Terrorismus führen.
Wie betrachtest Du die momentane Entwicklung in Europa und auf globaler Ebene, meinst Du,
dass ein hoffnungsvoller Blick in die Zukunft zulässig ist?

Hoffnung gibt es immer. Insbesondere anlässlich der tragischen Anschläge in Paris und der aktuellen Entwicklungen in Syrien zeichnet sich ein Wandel ab. Es liegt an uns allen, wie sich dieser Wandel vollziehen wird. Wir müssen jedenfalls wachsam bleiben und dürfen nicht zulassen, dass die sogenannten Bürgerrechte noch mehr beschnitten werden.
Über Freiheit und Frieden wurde schon genug gesprochen. Es wird Zeit, danach zu leben.

Im Hintergrund ein Panzer mit dickem, steifen, stähleren Rohr und darunter ein Kuss der Waffen zum Schmelzen bringt.

Im Hintergrund ein Panzer mit dickem, steifen, stähleren Rohr und darunter ein Kuss der Waffen zum Schmelzen bringt.

Das Gespräch führte für Gruppe42 Stephan Bartunek.

Vortragsreihe
„Neoliberale Propaganda – wie Medien uns zur Solidarität mit den Herrschenden zwingen
am „Platz der Vereinten Nationen“ in Wien 1220 direkt an der U-Bahnstation VIC/Kaisermühlen

Einlass 18:30
Beginn 19:00

Wir bitten unsere Gäste sich am „Platz der Vereinten Nationen“ einzufinden, von dort werden sie dann zum Veranstaltungssaal gelotst.

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Name: Stephan Bartunek
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